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Zu den Geschichten

Hamburg Hölle

Kerry-Lynn, 30 Jahre, Wilhelmsburg

Ich habe ein Buch geschrieben, es heißt Hamburg Hölle. Es beschreibt einen Teil meiner persönlichen Lebensgeschichte, wie ich damals mit meiner Mutter nach Hamburg gezogen bin. Der knallharte Titel stammt aus meiner damaligen Sicht als Jugendliche. Ich war ungefähr 14 Jahre alt, als ich mit verschiedenen Herausforderungen zu kämpfen hatte. Herausforderungen, welche die meisten gleichaltrigen nicht hatten.

Auszug aus Hamburg Hölle, Kapitel: Gemütsveränderung. „Ich merke wie sich mein Gemüt verändert hat. Ich bin weniger fröhlich, lächle kaum und schaue, für viele, oft traurig. In der Schule habe ich wenige Freunde gefunden, dafür aber gute. Das Problem ist nur, ich werde gemobbt. Ein Mädchen hat es besonders auf mich abgesehen. Obwohl unser Klassenlehrer involviert ist, lässt sie mich nicht zufrieden. Ich versuche sie nicht aufzuregen, aber allem Anschein nach regt sie meine bloße Existenz auf. Keine Ahnung an wen ich sie erinnere. Ich habe ihr nie etwas getan. Meine alten Schulfreunde mag ich gar nicht mehr kontaktieren. Bei Ihnen schien, zuletzt, alles perfekt zu laufen und ich schäme mich zu sehr für unsere jetzige Situation. Die einzige Flucht für mich sind die Wochenenden, wo ich meinen Vater und Freunde außerhalb der alten Schule treffe. Zudem in der Schule, meine Theater AG. Wenn ich auf der Bühne stehe, bin ich nicht mehr Victoria. Ich bin nicht mehr das Mädchen, dass aus ihrem Umfeld gerissen wurde und in einem Frauenhaus lebt. Ich bin jemand ganz anderes. In meinem ersten Stück durfte ich bereits drei Nebenrollen spielen. Die erste war meine liebste, da ich meinen Frust gleich mit hinausschreien konnte. Dennoch verspüre ich in letzter Zeit den Drang die Schule zu schwänzen. Vereinzelt kam es schon vor. Ich bin den ganzen Tag mit der Bahn herumgefahren und habe gelesen. (…) Mittlerweile haben wir, meiner Meinung nach, das beste Zimmer. Es ist etwas abgelegener, wir sind zu fünft und haben sogar einen eigenen Fernseher. Ich habe sogar eine Badewanne entdeckt und nutze dies schonungslos aus. (…) Mama hat wieder das einzige Einzelbett ergattern können. Für sie war es schwer auch Weihnachten hier verbringen zu müssen. Ich weiß, sie gibt sich Mühe und tut alles was geht. Der Wohnungsmarkt in Hamburg ist der Horror. Ich habe aufgehört mitzugehen, als vor einer Wohnung über 60 Personen standen. Wie hoch soll da die Wahrscheinlichkeit sein die zu bekommen? Besonders ohne Job und einen Wohnberechtigungsschein, den alle anderen ebenfalls haben. Meine Schule war bereit einen Brief zu schreiben, indem die Dringlichkeit einer Wohnung für uns dargelegt wird. Dennoch keine Chance. Ich habe meine Hoffnung komplett verloren und keine Kraft mehr. Wird es jemals wieder besser oder geht es noch weiter bergab?“

Heute sehe ich auch die schönen Seiten dieser Stadt, aber wir kennen es doch alle, wenn die Schattenseiten des Lebens unseren Blick verschleiern. Mit meinem Buch möchte ich darüber aufklären, dass es völlig in Ordnung ist, wenn du kein Bilderbuchleben führst.